#013 Weltweite Staatsverschuldung und die Auswirkung auf dein Vermögen

Ein Beitrag von www.benediktbrandl.com

 

Ich möchte in dieser Folge auf die weltweite Staatsverschuldung und die Auswirkungen auf dein Vermögen eingehen. Ich merke im Gespräch mit den Leuten, dass alle spüren, dass hier etwas gewaltig schief läuft, aber was genau und wie das ausgeht kann eigentlich niemand so genau sagen. Ich möchte in dieser Folge einmal versuchen das Problem zu erklären und welche Auswirkungen auf unser Vermögen möglich und denkbar sind. Ich gehe zuerst in aller Kürze darauf ein, wie es überhaupt zu dieser starken Verschuldung weltweit gekommen ist und spreche dann im zweiten Teil darüber wie man die Schulden wieder abbauen kann und mit welchen Konsequenzen das verbunden wäre.

 

Wie kam es zu dieser weltweiten Schuldenmisere?

Man muss natürlich sagen, dass ich das jetzt wirklich auf das Wesentlichste herunter breche und in jedem Land gibt es  dazu eine eigene Geschichte, aber zusammenfassen lässt sich das für alle relativ gleich. Im Grunde wird immer auf unnatürliche Weise Wachstum erzeugt und unsolide gewirtschaftet. Egal, ob bei der Regierung, bei den Unternehmen oder bei den Haushalten. Irgendwo wird viel Geld rein gepumpt, es entstehen Blasen, die Verschuldung steigt, und irgendwann bricht das Kartenhaus zusammen und damit der Laden weiter läuft müssen noch mehr Schulden gemacht werden.

In Europa war es z. B. so, dass vor Einführung des Euros die Südländer wesentlich höhere Zinsen auf ihre Schulden bezahlen haben müssen, als Deutschland oder Frankreich. Spanien, Italien und Portugal haben 1995 noch über 12% Zinsen auf Ihre Staatsschulden bezahlen müssen, während Deutschland und Frankreich nur 7% oder 8% bezahlt haben, weil die Südländer regelmäßig ihre Währung abgewertet haben, und die Investoren dafür eine zusätzliche Zinsprämie eingefordert haben. Mit der Einführung des Euros hat sich dann der Zins für alle angeglichen und 2001 lagen dann alle Länder unter 6%. Für die Südländer hat das natürlich riesige Spielräume eröffnet, weil plötzlich viel mehr Geld im Staatshaushalt da war, aber anstatt das für nötige Reformen am Arbeitsmarkt oder in der Industrie zu nutzen, wie etwa in Deutschland die Agenda 2010, hat man das Geld lieber für Subventionen und kurzfristiges Wirtschaftswachstum ausgegeben. Und somit Ihre Schuldenquote schon in eigentlich guten Zeiten eher erhöht als abgebaut. Dann kam noch die amerikanische Subprimekrise dazu, und die hat auch unsere Banken in den Ruin gestürzt und die Staaten und Notenbanken mussten das ganze System extrem mit Geld fluten, damit es überhaupt irgendwie weitergehen kann. Und das hat die Verschuldung der Staaten auch wieder entsprechend erhöht.

In Europa gibt es ja eigentlich den Vertrag von Maastricht, der besagt, dass kein EU-Staat eine höhere Verschuldung als 60% von seiner Wirtschaftsleistung haben soll und jährlich nicht mehr als 3% dazu kommen sollen. Aber dass sich daran keiner gehalten hat, sehen wir, wenn wir uns die aktuellen Schuldenstände anschauen:

Deutschland 64%

Frankreich 97%

Spanien 98%

Italien 131%

Griechenland 182% (Spitzenreiter in Europa)

USA 108%

Japan 236% (weltweit unangefochtener Spitzenreiter)

Das Beispiel Japan zeigt, dass man sowas auch ziemlich lange, nämlich 25 Jahre schon, verschleppen kann. Soweit der Stand der Dinge, aber welche Möglichkeiten gibt es denn jetzt um diese Schuldenberge wieder abzubauen? Es gibt im Grunde nur 3 Möglichkeiten

 

1. Rückzahlung durch harte Sparmaßnahmen und gleichzeitig starkes Wirtschaftswachstum

Das wäre die schönste aber auch die unrealistischste alle Möglichkeiten. Wirtschaftswachstum und Sparmaßnahmen schließen sich gegenseitig aus. Wenn wir bei den Staatsausgaben voll auf die Bremse treten, bricht unweigerlich das Wirtschaftswachstum ein. Man müsste bei dieser Variante über 20 Jahre jährlich mehr Wachstum als Neuverschuldung generieren und das ist einfach nicht möglich. Mir wäre auch kein Fall bekannt, wo ein großer Staat die Hälfte seiner Schulden einfach auf konventionelle Tilgung abgebaut hätte. Also Rückzahlung auf normalem Wege halte ich für ausgeschlossen

2. Schuldenabbau durch Staatsbankrott oder Schuldenschnitt

Das wäre natürlich das schlimmste was passieren könnte, weil bei einer Staatspleite quasi alles zerstört wird. Das Vermögen der Bürger, die Infrastruktur, das Rentensystem, alles explodiert. Das muss auf jeden Fall um jeden Preis vermieden werden und das macht die EZB in dem Sie Geld druck und Staatsanleihen aufkauft, also die Schulden finanziert. Dadurch bleiben die Zinsen niedrig und stärker verschuldete Länder wie Italien kommen nicht in die Gefahr, dass sie ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Das war 2010 noch viel wahrscheinlicher. Griechenland, Portugal und Irland waren ja schon an diesem Punkt und mussten durch Notkredite oder Schuldenerlässe gerettet werden. Aber die ganze Gelddruckerei und das Aufkaufen von Staatsanleihen besteht dieses Risiko vorerst nicht mehr. Gefährlich wird es an dieser Stelle meines Erachtens dann, wenn in Europa linke oder rechte Gruppen an die Regierung kommen und einen Euro Austritt forcieren. Laut der Sentix-Umfrage vom 29.01.18 wird die Wahrscheinlichkeit eines „Euro Break ups“ (Einem Auseinanderbrechen der Eurozone) derzeit nur bei knapp 7% gesehen. Bleibt noch eine letzte Möglichkeit übrig die Schulden abzubauen

3. Durch Inflation bei gleichzeitig niedrigen Zinsen

Und das ist die wahrscheinlichste der drei Varianten und das worauf die Regierungen und Notenbanken offensichtlich hinarbeiten. Das nennt sich die finanzielle Repression und das Prinzip ist relativ einfach. Ich erzeuge als Staat Inflation und halte die Zinsen gleichzeitig unter der Inflationsrate, und so werden die Schulden jedes Jahr weniger wert. Sie werden dadurch zwar nicht zurück bezahlt, aber entwertet. Stell dir vor, du leihst jemand 1.000 EUR für 10 Jahre. Der Zins ist 1%, die Inflationsrate aber 4%. Du bekommst zwar am Ende auf dem Papier schon mehr, nämlich 1.100 EUR zurück. Aber wenn du damit in einen Laden gehst und einkaufen willst, hast du nur noch 730 EUR Kaufkraft, weil die Waren durch die Inflation in der Zwischenzeit teurer geworden sind.

Wie funktioniert das? Man druckt Geld, also erzeugt neues Geld, um damit eine Inflation zu erzeugen. Von diesem Geld kauft man Staatsanleihen, um die Zinsen künstlich niedrig zu halten und exakt das ist es, was seit 2011 extrem forciert wird. Die EZB hat ihre Bilanzsumme von 2010 bis heute von 2 Billionen EUR auf über 5 Billionen Euro ausgeweitet. Und jetzt langsam fängt das Gift auch an zu wirken, wie man an den ersten Steigerungen der Inflationsraten auch erkennen kann (insbesondere in den USA).

Jetzt kann man sich fragen: wer soll denn bitte so blöd sein, und sein Geld auf diese Weise verleihen? Kein vernünftiger Mensch würde sein Geld zu einem Negativzins verleihen. Aber es ist so, wir alle tun es. Die Deutschen haben fast 4 Bio. EUR in nominalen Geldanlagen wie Sparbüchern, Bausparern, Lebensversicherungen und Tagesgeldern. Wir sprechen von 80% des deutschen Sparvermögens, das so angelegt ist. Und diese Auswirkungen sollte man sich dringend bewusst machen. Dazu ein kleines Beispiel: Was bleibt von 10.000 EUR nach 10 Jahren bei 3% Inflation übrig? Es sind nur 7.300 EUR. Ein Verlust in der Kaufkraft von 2.700. Also knapp ¼ wird dadurch vernichtet.

Jetzt habe ich ein düsteres Bild gezeichnet, aber das hätte ich nicht getan, wenn es nicht einen Ausweg aus der Misere gäbe. Er heißt Produktivkapital – in der Volkswirtschaftslehre spricht man vom Kapital das am Produktionsprozess beteiligt ist, also Leistung erzeugt. Das heißt wir reden von Sachwerten wie Immobilien, Rohstoffen oder Firmen, die keine Zinsen erzeugen, sondern Sachleistungen erbringen. Und das ist auch ganz einfach nachvollziehbar, wenn man sich überlegt, was Inflation für uns wirklich bedeutet. Inflation ist definiert als ein Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Also die Waren im Supermarkt, die Miete für die Wohnung, der Sprit an der Tankstelle, der Friseur, die Semmeln beim Bäcker. Alles wird regelmäßig teurer. Wenn ich jetzt aber Vermieter einer Wohnung bin, und meine Miete dadurch laufend steigt oder ich beteiligt bin an einem Bäckerbetrieb und davon profitiere, dass die Semmeln teurer werden, dann wird einem klar, warum man mit Sachwerten vor der Inflation geschützt ist. Weil man Teil der Inflation ist.

Und, dass das in der Vergangenheit schon gut funktioniert hat, möchte ich euch am Beispiel der USA nach dem 2. Weltkrieg zeigen. Die haben nämlich damals dadurch ihre Staatsverschuldung von  116% auf 66% durch Inflation reduziert. Von 1945-1980 war die Inflationsrate in den USA 4,6% pro Jahr. Die Rendite auf Staatsanleihen waren nur 3,8%. Das Geld wurde also jedes Jahr um 0,8% weniger wert und das über 35 Jahre. Die Staatsverschuldung ist in diesem Zeitraum von 116% auf 66% der Wirtschaftsleistung gesunken. Also der Staat hat sich massiv entschuldet, auf Kosten der Sparvermögen. Und jetzt schauen wir was Aktien – also das Produktivkapital – in dieser Zeit gemacht haben. Die Rendite von amerikanischen Aktien war in diesem Zeitraum von 1945-1980 12% pro Jahr. Also bei weitem über der Inflationsrate die der Staat zu seiner Entschuldung erzeugt hat.

Auch der EZB Chef Mario Draghi hat vor zwei Jahren schon gesagt: „Die Sparer haben es mit ihren Anlageentscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten“, sagte Draghi vor zwei Jahren in einem Interview.  Auch der EZB Vize Präsident Constancio wurde überraschend direkt: die Deutschen hätten viel stärker „von der Situation (niedrige Zinsen) profitieren“ können. Stattdessen ließen die Sparer „zu viel Geld einfach auf dem Konto liegen, statt es in andere Anlagen mit höheren Erträgen zu investieren“. Dieser Aussage kann ich nichts mehr hinzufügen, außer dass sie stimmt.

Ich fasse euch die Erkenntnisse aus dieser Folge noch mal kurz zusammen

  • Die Staaten weltweit sind stark verschuldet.
  • Damit sie die Schulden finanzieren können drucken sie Geld und halten damit die Zinsen niedrig.
  • Das gedruckte Geld wird irgendwann eine stärkere Inflation erzeugen und unser Geld stärker entwerten.
  • Dagegen können wir uns schützen, indem wir unser Geld nicht in festverzinslichen Anlagen wie Sparbücher oder Tagesgeld anlegen, sondern in Sachwerten wie Aktien, Immobilien oder Gold.
  • Und das vor allem in einer gesunden Mischung. Aber dazu mache ich noch eine separate Folge.

Ich weiß, dieses Thema ist etwas abstrakt und schwer nachzuvollziehen. Aber mir war es an dieser Stelle wichtig, einmal darüber gesprochen zu haben. Denn ich glaube es ist eines der zentralen Themen, mit welchen wir die nächsten zehn und 20 Jahre konfrontiert werden. Wenn auch du denkst, dass dieses Thema von Relevanz ist, dann würde es mich freuen, wenn du diese Folge an einen Bekannten weiterleistest.

Bis zur nächsten Folge!

 

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