Wie du die Sicherheit beim Investieren erhöhst

Ein Blogbeitrag von www.benediktbrandl.com

Heute geht es um das Thema „wie du mehr Sicherheit beim Investieren erreichst“. Dafür gibt es zwei Optionen. Die 1. Möglichkeit ist Diversifikation. Also die sinnvolle Streuung von Risiken. Darüber habe ich aber schon in der 2. Folge sehr ausführlich gesprochen, deswegen gehen wir heute auf die andere Möglichkeit genauer ein. Die 2. Möglichkeit ist stufenweise Zinspapiere, also Anleihen dem Depot hinzuzufügen. Kurzer Exkurs was eine genau eine Anleihe ist: eine Anleihe ist sozusagen ein Kredit den du, in den meisten Fällen einem Staat oder einem Unternehmen verleihst. Die Laufzeit, die Zinszahlungen und auch die Rückzahlung sind fest vereinbart. Solange Schuldner zahlt ist das ein relativ sicheres Geschäft. Daher ist der Anleihenmarkt auch wesentlich weniger anfällig für Wertschwankungen, als der Aktienmarkt.

Das Mischen von Aktien mit Anleihen bringt im Depot drei wesentliche Vorteile:

  1. Die Rückgänge sind viel kleiner und die Zeit bis zum Aufholen des Rückgangs ist viel kürzer. Was das genau heißt seht ihr gleich, wenn wir uns die Marktdaten anschauen.
  2. Die Rendite reduziert sich nicht so stark wie das Risiko. Dies beschreibt der Diversifikationseffekt, den Harry Markowitz nachgewiesen hat und wofür er u. a. dem Nobelpreis erhalten hat.
  3. Man ist wesentlich flexibler bei Marktrückgängen. Wir wissen vom Aktienmarkt, dass 3 von 10 Jahren eine negative Rendite aufweisen, aber wann diese genau sind, wissen wir nicht. Wenn Aktien wirklich mal um 20% oder mehr fallen sollten, kann man die Anleihen einfach reduzieren und günstig in Aktien einsteigen und so sogar einem Rückgang profitieren. Das ist übrigens kein Markt Timing, weil wir nicht aufgrund einer Prognose proaktiv investieren, sondern wir reagieren nur auf vorliegende Fakten und Marktgegebenheiten. Die Portfolioänderung ist nicht kurzfristig angedacht, sondern als längerfristige Allokationsentscheidung.

Was wäre also die optimale Aktien/Anleihen Mischung für Dein Depot? Das häng von deiner Risikoneigung (letzte Folge behandelt) und deinen Anlagezielen ab. Viele meiner Kunden sind Ü50 oder Ü60, sechs- oder siebenstellige Beträge zur Veranlagung. Da ist das Anlageziel ganz anderes als bei einem 20- oder 30-Jährigen. Es geht um Kapitalerhalt, Inflationsausgleich und laufende Einkünfte erzielen. Für diese Leute, sind z.b. hohe Aktienquote weniger gut geeignet, als bei einem 30-Jährigen, der mit dem Studium fertig ist. In den ersten zwei Folgen habe ich viel über schlechte Erfahrungen und Verluste geredet, die Anleger in der Vergangenheit erfahren haben, weil sie teuer gekauft und billig verkauft haben. Also aus emotionalen Gründen in den Crash hinein verkauft. Meines Erachtens passiert das, weil die Anleger schlecht vorbereitet wurden. Im Vertrieb wird es vermieden über Kosten und Risiken zu sprechen. Ich bin eher ein Fan davon das Depot darauf aufzubauen, damit es der Anleger langfristig durchzeihen kann. An dieser Stelle möchte ich meinem selbst auferlegten Bildungsauftrag nachkommen und habe euch die historischen Marktdaten mit Renditen, Rückgängen und Schwankungsbreiten aufbereitet. Ihr könnt sie auf meiner Homepage www.benediktbrandl.com kostenlos downloaden. Jeder der Investiert sollte sie kennen, weil er sonst Gefahr läuft überrascht zu werden. Werfen wir einen Blick in die Marktdaten. Sie reichen von 1988 bis heute, also über die letzten 30 Jahre. Das 100% Aktienportfolio in Form des weltweiten MSCI All Country Index mit über 2.400 Aktien hat genau 9,75% jährliche Wertsteigerung erzielt. Hätte man vor 30 Jahren 100.000 EUR in diesen Index investiert wären das heute 1,5 Mio Euro. Bei 10.000 wären es 150.000 EUR. An der Stelle muss ich aber gleich einen Disclamer hinterher schieben: „historische Anlageergebnisse sind keine Garantie für die zukünftige Entwicklung oder Renditen“. Es kann also auch auf 30-jährige Zeiträume einmal schlechter laufen. Allerdings hat der S&P500 von 1926 bis 2018 exakt 10,0% durchschnittliche Rendite abgeworfen. Ein besonders guter Ausreißer war das daher nicht. ABER der Weg war mit erheblichen Schwankungen verbunden. -40% war das schlechteste Jahresergebnis, und es dauerte 51 Monate, also 4 ¼ Jahre bis der Verlust wieder kompensiert war. Seit 1926 gab es das übrigens insgesamt 6 Rückgänge dieser Art und teilweise hat es auch 10 Jahre und mehr gedauert, bis er wieder aufgeholt war. Wer die nötige Zeit und die mentale Stärke mitbringt, hat der kann auch zu 100% in Aktien investieren. Wer einen kürzeren Anlagehorizont hat, oder Wertschwankungen in dem Ausmaß nicht haben will, der muss eine vorsichtigere Mischung wählen. Das 60er Portfolio hat übrigens 8% Rendite gemacht die letzten 30 Jahre, bei einem höchsten Jahresrückgang von nur 21% und die Unterwasserzeit in der Finanzkrise waren nur 28 Monate also 2,3 Jahre. Wer es noch vorsichtiger haben will, kann sich noch die Mischung mit 40% Aktien und 60% Anleihen ansehen. Beim 40er Portfolio waren es 6,8% Rendite bei einem Jahresrückgang von 12,5% in der Finanzkrise und da hat es 25 Monate gedauert bis wieder alles im grünen Bereich war.  Also komplett unterschiedliche Portfolioeigenschaften wie bei ausschließlichen Aktienportfolios. Allerdings muss man auch sagen, dass sich das derzeit niedrige Zinsniveau auch auf die Aktien und Anleihen Renditen auswirken wird. Ich würde sowohl für Anleihen als auch für Aktien die Renditeerwartung über die nächsten 10 Jahre ca. 2 – 3 % niedriger ansetzen. Was aber immer noch wesentlich höher ist als auf dem Tagesgeld. Macht euch vor dem Investieren mit den Marktschwankungen vertraut (die findet ihr auf meiner Homepage) und dann findet eine Mischung, zu euch und eurem Anlageziel passt. Vielen Dank fürs zuhören, ich freu mich wenn ihr wieder dabei sei. Bis dann!

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