Was dir das CAPE über die nächsten 10 Jahre am Aktienmarkt verrät

Ein Blogbeitrag von www.benediktbrandl.com

Ich habe ja in der Vorstellungsrunde schon versprochen, dass auch die fortgeschrittenen Anleger auf Ihre Kosten kommen werden. Heute einen Indikator mitgebracht, den ich in allen meinen Portfolios berücksichtige und der einen erheblichen Unterschied im Ergebnis macht. Heute geht es um das CAPE und was es dir über die nächsten 10 Jahre am Aktienmarkt verrät. Was ist das CAPE? Das Cape wurde von Robert Shiller entwickelt, der 2013 u. a. für diese Untersuchungen den Nobelpreis bekommen hat. Es ist eine Abkürzung für “Cycle-Adjusted Price Earnings Ratio” Oder auf Deutsch “Zyklusbereinigtes Kurs/Gewinn Verhältnis. Das KGV haben bestimmt die meisten schon einmal gehört. Das ist eine Verhältniszahl bei der man den aktuellen Kurs (also den Kaufpreis) durch die erwarteten Erträge (den Gewinn) teilt. Das Cape oder auch Shiller KGV wird aber nicht wie beim normalen KGV auf den aktuellen Unternehmensgewinn bezogen, sondern auf den Durchschnitt der letzten 10 Jahre, und das inflationsbereinigt. Das macht ihn träger, aber dafür extrem aussagekräftig. Mit dem Shiller KGV bekommt man einfach gesagt raus wie lange es dauert bis sich die Investition quasi von selbst abzahlt, oder bis sie sich amortisiert. Und vor allem gibt sie Aufschluss darüber gibt, ob es gerade günstig oder ungünstig ist in Aktien zu investieren. Im Prinzip ist das nichts anderes als die Mietrendite oder der Kaufpreisfaktor bei einer Immobilie. Wenn ich eine ETW kaufen kann die im Jahr 10.000 Kaltmiete bringt und die 100.000 Kostet, dauert es 10 Jahre bis sie sich von selbst abbezahlt. Was natürlich hoch interessant ist, und eigentlich keiner darüber nachdenken muss, ob das ein gutes Geschäft wird. Das wäre Top, gibt’s nur momentan leider nicht. Eher realistisch wäre

wenn der Kaufpreis 400.000 ist. Dann dauert es 40 Jahre. Und dann weiß man vorher schon, dass das Geschäft jetzt nicht so der Hammer wird. Bei Aktien ist es genau das gleiche Prinzip wie bei der Immobilie. Es fällt mir immer wieder auf, dass viele Leute z. B. beim DAX nur auf den aktuellen Punktestand schauen, aber der alleine sagt nicht viel aus. Entscheidend ist was an Rückfluss dafür bekomme.  Also die Dividenden und Gewinne, die die Aktien erwirtschaften und DAS muss ich dann ins Verhältnis zum aktuellen Preis setzen.

Warum ist das jetzt so wichtig für dein Investment?

Es gibt in der ganzen wissenschaftlichen Literatur keinen einzigen Indikator der auch nur im Entferntesten an die Relevanz des CAPE herankommt. Da gibt es ein wunderbares Paper von Vanguard mit dem Namen “forecasting Stockreturns”. Darin wurde untersucht, mit welchem Indikator man die Aktienrendite über 1 und 10 Jahre am besten vorhersagen kann. Die Kurzform ist: das Shiller KGV erreicht auf 10 Jahre, mit einem R² von 43%, mit Abstand die höchste Korrelation. Sachen wie die Zinsen, Gewinnmargen oder das Wirtschaftswachstum sind völlig uninteressant. Der Zusammenhang war irgendwo im 1 stelligen Prozentbereich und sogar die Anzahl der Regentage war aussagekräftiger! Auch auf ein Jahr ist das der beste Indikator, aber von der Aussagekraft her völlig unbrauchbar.

Also alles entscheidend für meinen Anlageerfolg für die nächsten 10 Jahre ist also die Tatsache wie teuer oder billig ich meine Tomaten einkaufe. Die Sache hat den einen Haken – es funktioniert nur auf Sicht von 10 Jahren oder länger. Und das möchte ich euch mit ein paar historischen Zahlen vorführen. Robert Shiller, der Erfinder des CAPE ist Professor an der Yale University und hat seine Datenbank für alle frei zugänglich gemacht. Da drin sin die Kurs und CAPE Daten von amerikanischen Aktien seit 1820. Ich habe mir diese Daten mal extrahiert und einen Backtest gemacht. Ich habe mir das Shiller KGV von einem Jahr angeschaut und die Entwicklung über die folgenden 10 Jahre. Und das Ergebnis ist tatsächlich so beeindruckend wie die Vangaurdstudie schreibt. Leichter wär es jetzt für euch natürlich, wenn ihr auch diese Tabelle vor euch hättet, deswegen habe ich sie auf meiner Website Benediktbrandl.com zum Download bereit gestellt. https://www.benediktbrandl.com/shiller-kgv/ Holt sie euch, weil das Ding echt wertvoll ist. Also nochmal zur Erinnerung: billig ist das KGV wenn es um die 10 ist und teuer wird’s ab 25. Und 18 ist so der neutrale Durchschnitt. Die ersten 5 Dekaden ab 1880 waren KGV technisch alle im Durchschnitt. Auch die Renditen lagen etwa immer um die 6-12%, in diesen Zeiträumen. So richtig interessant wird’s zum ersten Mal im Jahr 1920. Da war es sehr billig mit einem Shiller KGV 10. Die Folgerendite über die nächsten 10 Jahre war 17,8%. Im Folgezeitraum 1930 war es dafür schon ziemlich teuer mit einem KGV10 von 21,5. Entsprechend schlecht war die Folgerendite mit -2,3%. Auch die schlechte Phase zwischen 2000 und 2010 hätte sich durch das Shiller KGV gut identifizieren lassen. Damals war es auf ein nie zuvor gesehenes Niveau, von 42 angestiegen. Auch diese Zehnjahresrendite war mit -0,7% p. a. im negativen Bereich. Hingegen waren alle 10-jahres-Phasen mit Renditen von über 20% pro Jahr durch ein sehr niedriges Shiller-KGV von <10 eingeläutet.

Ihr seht der Zusammenhang ist nicht 100% und manchmal läuft es noch weiter, obwohl es schon teuer war, aber es kommt schon sehr häufig sehr gut hin. Hätte sich im Jahr 2000 mal jemand das Shiller KGV angeschaut, der hätte gesehen dass der Markt massiv überkauft und überteuert war. Es war absolut absehbar, dass das nicht gut gehen kann. Was können wir daraus für uns lernen? Oder wie können wir das in der Praxis umsetzen?

Da kann ich euch zwei Tipps mitgeben. Wie gesagt es ist nur ein Indikator und man kann sich nicht 100%ig darauf verlassen. Deswegen würde ich nicht strikt sagen: „wenn es teuer wird gehe ich komplett raus“, das würde so viel Rendite kosten, dass es womöglich garkeinen Sinn mehr macht zu investieren.

Was ich empfehle ist die Aktienquote immer schrittweise und entgegengesetzt zum KGV zu verändern. Wenn jetzt das KGV also erstmals über 20 geht, dann freuen wir uns über die Gewinne und reduzieren erstmals die Quote erstmals um 10%. Also z. B. von 60% Aktien auf 50%. Wenn das KGV ein oder zwei Jahre später dann über 25 geht reduzieren wir wieder um 10%. Und wenn der Aktienmarkt mal stärker fällt und das KGV günstig ist, dann erhöhen wir die Aktienquote wieder und gehen um 10-20 % über unseren alten Aktienbestand raus. Aber ich würde euch empfehlen das wirklich nur in kleinen Schritten zu machen und nie vollständig „rein- oder raus“ zu gehen, weil das einfach zu spekulativ wäre.

Der zweite Punkt wofür ich das Shiller KGV nutze, ist die regionale Allokation bei Aktien. Ich mache es so, dass ich die teuerste Region leicht zu Gunsten der günstigeren Region reduziere. Da gibt’s auch eine schöne Studie von Starcapital die zeigt, dass man das CAPE auch sehr gut auf ganze Länder anwenden kann. Und zwar haben sie nachgewiesen, dass Länder mit einem Shiller KGV von 10 oder weniger in den 15 Folgejahre eher 10-13% Rendite liefern, und Länder mit einem KGV von 30 nur noch ca. 3%. Derzeit ist es so, dass die USA den teuersten Aktienmarkt haben mit einem CAPE von knapp 28 und die Regionen Europa und Schwellenländer ist verhältnismäßig günstig bewertet mit 17 und 18. Ich würde aber nicht so weit gehen und das teuerste Land komplett raus werfen. Deswegen reduziere ich in meinen Kundenportfolios den US Anteil und nehme dafür mehr Europa und Emerging Markets. Kurzfristig können zwar US Aktien trotzdem besser laufen, aber ich bin zuversichtlich, wenn ich in 10 Jahren auf die Anlageergebnisse schaue, dass sich die heute günstigen Regionen besser entwickeln werden.

Link zur Tabelle: https://www.benediktbrandl.com/shiller-kgv/

 

Beitragsbild:  by Bryan Minear on Unsplash

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