#023 Die richtige Vermögensstruktur

Ein Beitrag von www.benediktbrandl.com

 

#023 Die richtige Vermögensstruktur

In dieser Folge geht es um eine übergeordnete Empfehlung, unabhängig von einzelnen Wertpapieren und ETFs. In dieser Folge geht es um die richtige Vermögensstruktur. Also der Aufteilung des gesamten Vermögens in die verschiedenen Anlage- Vermögensklassen. 2013 hat die EZB eine Studie erstellt, die sich mit den Sparquoten und Haushaltsvermögen der Haushalte in den einzelnen EU-Ländern beschäftigt hat. Die Studie wurde übrigens lange Zeit nicht veröffentlich, wegen der Rettung Zyperns, die zeitgleich stattgefunden hat. Warum? Darauf kommen wir gleich. Die Studie beschäftigt sich zuerst mit den Sparquoten, also dem Teil des Einkommens eines Haushaltes, der einfach nicht ausgegeben wird, sondern in irgendeiner Weise zurückbehalten oder gespart wird. Deutschland ist darin Vize-Europameister. Die Sparquote liegt bei knapp 27%. Nur die Holländer sparen um einen Bruchteil mehr. Aber, je weiter südlich in der EU wir kommen, umso weniger wird auch gespart. Italien spart 18%, Portugal 15% und Griechenland sogar nur unter 10% der Einkommen.[1]

Wenn man sich jetzt das Vermögen der Haushalte anschaut, dann würde man wahrscheinlich eine relativ ähnliche Verteilung erwarten. Wer mehr spart, der hat auch mehr Vermögen. Aber das ist nicht der Fall, sondern das komplette Gegenteil ist der Fall. Deutschland ist beim Gesamtvermögen nämlich auf dem aller letzten Platz. Das Haushaltsvermögen wir übrigens definiert als Gesamtvermögen abzüglich Schulden, also inklusive Immobilienvermögen, nicht nur das liquide. Der durchschnittliche Deutsche Haushalt besitzt ein Gesamtvermögen von 55.000 EUR, während das höchste Haushaltsvermögen in der Studie übrigens die Zyprioten mit über 260.000 EUR aufwiesen. Zypern, das eben 2013 mit EU Gelder gerettet wurde, was der Grund ist, warum die Studie so lange unter Verschluss geblieben ist. Teile der Einlagen wurden jedoch für die Rettung umgelegt.[2]

Aber die eigentlich spannende Frage ist: warum ist das so? Wie können die Deutschen Haushalte das meiste Geld sparen aber das wenigste Vermögen besitzen? Die Antwort liegt in den unterschiedlichen Vermögensstrukturen in den einzelnen Ländern. Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien von Vermögenswerten: Geldwerte und Sachwerte. Was versteht man darunter? Geldwerte sind u. A. Bargeld, Geld auf Girokonten, Sparbüchern, Versicherungen, die gesetzliche Rente oder einfacher gesagt jede Forderung, die auf einen festen Betrag in Euro abgestellt ist. Sachwerte sind alles, was einen physischen Wert darstellt, das etwas produziert oder ein menschliches Grundbedürfnis erfüllt, wie Essen, Wohnraum, Strom, Mobilität oder was man sonst so zum Leben und Überleben braucht. Sachwerte sind z. b. Gebäude, Firmenvermögen und Rohstoffe.

In Deutschland liegen aber 80% der freien Vermögen in Geldwerten und da sprechen wir von 4,5 Bio. Euro. Und wie ist das in den Ländern, die mehr als drei Mal so viel Haushaltsvermögen haben wie wir? Nehmen wir als Beispiel mal Spanien. Dazu möchte ich einen kleinen Vergleich heranziehen, und zwar die Quote von Immobilien- und Aktienbesitzern in Deutschland und Spanien. In Deutschland sind 44% der Einwohner Besitzer von Wohneigentum. Und in Spanien? Da sind es ganze 82%, das ist fast das Doppelte (!). Bei den Aktien ist es sehr ähnlich. Nur 6% der Deutschen sind Aktionäre, während es 33% der Spanier sind. Die Antwort liegt also in der Vermögensstruktur. Die Länder mit höherem Haushaltsvermögen haben einfach mehr Sachwerte als Geldwerte und deswegen würde ich jedem empfehlen, genau zu wissen, wie hoch seine oder Ihre Sachwertquote am Gesamtvermögen ist und natürlich sollte man das dann auch laufend überprüfen und tracken. Ich mache das z. b. Quartalsweise in einer Excel Datei und das würde ich euch auch empfehlen.

 

Hier geht’s Excel-Vorlage

 

Also, fangt einfach auf einem leeren Excel Sheet an und schreibt zuerst mal alle eure Vermögenswerte auf, beginnend bei den liquidesten. Also alle Girokonten, Sparbücher (ich hoffe ihr habt keine), Tagesgeld, dann Bausparer, Lebensversicherung und natürlich das Depot (ich hoffe jeder hat eins). Dann alle weiteren größeren Vermögenswerte, die ihr so habt. Und zum Schluss die Immobilien. Wie gesagt, ich ordne das wie in einer Handels-Bilanz von liquide nach illiquide. Und das ist dann eure Aktiva. Ganz unten bildet ihr eine Summe, sozusagen eure Vermögensbilanzsumme und daneben machen wir eine neue Spalte auf, die Passiv-Seite der Bilanz. Ganz oben das Eigenkapital, hier machen wir eine Formel, nämlich ist das die Summe der Aktivposten auf der linken Seite

abzüglich der Rückstellung und eurer Verbindlichkeiten, also eurer Kredite, wenn ihr welche habt und die schreibt ihr jetzt einfach unter dem Eigenkapital auf. Rückstellungen sind Gelder, die sicher demnächst weggehen, weil z. B. eine Reparatur ansteht oder einfach noch irgend eine Rechnung bezahlt werden muss. Und die Kredite kommen darunter. Wenn sie zu einem Haus oder einer Wohnung gehören, dann würde ich diese neben die jeweilige Position auf der Aktivseite schreiben, damit der Bezug gewahrt bleibt. So, wie gesagt ist das EK die Summe aller Aktivposten minus die Rückstellungen und die Schulden, sofern es welche gibt. Und dieser Wert ist euer Nettovermögen, euer Net Asset Value. Den sollte man unbedingt verfolgen und natürlich auch aktiv weiterentwickeln. Dazu kann ich die Folge #14 empfehlen, „was ist dein Anlageziel“, weil ihr natürlich auch wissen müsst, warum ihr überhaupt euer Nettovermögen aufbauen wollt. Man braucht schon gute Gründe, um dauerhaft motiviert zu sein und einen tieferen Sinn, den man verfolgt, anstatt einfach nur Geld anzuhäufen.

Und in dieser Übersicht könnt ihr natürlich auch immer eure Liquiditäts- und eure Fremdkapitalquote überprüfen. Wie hoch diese Quoten sein sollten, das wäre mal was für eine andere Folge, hängt natürlich auch sehr stark vom jeweiligen Ziel und dem Alter ab. Ok, also zurück zu unseren Sachwerten. Ich habe es bei meiner Excel-Datei so gemacht, dass ich mir den aktuellsten Stand in den Reiter „Vermögensstruktur“ kopiere und da gruppiere ich dann die Vermögenswerte von der Aktivseite in die einzelnen Anlageklassen, wie Liquidität, Aktien, Anleihen, Immobilien, Gold, etc. und diese natürlich wiederum in Sach- und Geldwerte. Zum Schluss sollte jetzt jeder eurer Vermögenswerte auf einer der beiden Seiten stehen und dann könnt ihr ganz einfach berechnen, wie hoch der Anteil von Sach- oder Geldwerten in eurem Gesamtvermögen ist. Grundsätzlich muss natürlich jeder selber wissen, was ihm lieber ist. Klar ist auch, dass sich die zwei Gruppen ja sehr unterschiedlich verhalten und Sachwerte schwanken auch im Wert. Aber meine persönliche Meinung ist, dass die Sachwerte doch deutlich überwiegen sollten. Aus meiner Sicht mind. 75% am Gesamtvermögen. Zahlungsfähig muss man natürlich aber auch bleiben, das ist klar. Eine Faustformel für vernünftige Liquidität ist um die 25% oder weniger. Oder eben mehr, wenn größere Zahlungsverpflichtungen anstehen. Aber ich glaube, bei den meisten ist die Quote ohnehin eher andersrum verteilt, also überwiegend in Geldwerten, sodass sich diese Frage nicht stellt. Die Frage, warum ich behaupte, dass die Sachwertquote so massiv überwiegen soll, würde jetzt hier den Rahmen etwas sprengen. Ausführlich beantworte ich das im ersten Teil des Webinars, also gerne da mal reinschauen. Aber in erster Linie geht diese Meinung natürlich auf die Nullzinsen und die langfristige Geldentwertung zurück.

Zum Schluss vielleicht noch ein paar Sätze dazu, welche Sachwerte überhaupt in Frage kommen? Aus meiner Sicht am besten geeignet sind Aktien (damit meine auch natürlich auch ETFs auf Aktien) und Immobilien und in 2. Linie vielleicht auch noch Gold. Das ist natürlich nicht als abschließende Auflistung zu verstehen, es wären durchaus auch andere Vermögenswerte denkbar, die einen Cashflow erzielen oder begrenzt verfügbar sind. Aber die erstgenannten sind einfach breite und liquide Märte und vor allem erfüllen sie reale Bedürfnisse. Was jetzt eine optimale Verteilung aus den einzelnen Bausteinen ist, das kann man pauschal nicht beantworten. Es kommt sehr auf persönliche Umstände an, wie die Vermögensverhältnisse, das persönliche Sicherheitsbedürfnis (es bringt auch nichts, wenn man nicht mehr schlafen kann), wie flexibel muss man bleiben? Wann brauche ich wieviel Geld? Und ganz wichtig, wo ich mich wohl fühle, und auch auskenne. Es ist eher kontraproduktiv, sich zu etwas rein zu zwingen, womit es einem nicht gut geht. Als grobe Richtung würde ich persönlich sagen, vielleicht 1/3 in Aktien, 1/3 in Immobilien, wobei ich nur das investierte Eigenkapital rechne und Gold würde ich bei max. 10% sehen. Gold hat aus meiner Sicht eher nur einen Absicherungscharakter, falls irgendwas dramatisch schief laufen sollte in unserer Gesellschaft.

Ich glaube das wichtigste ist einfach eine sinnvolle Mischung aus Sachwerten. Alle einzelnen haben ihre Vor- und Nachteile, aber im Großen und Ganzen ergänzen sie sich sehr gut. Insbesondere die Aktien und die Immobilien. Immobilien z. b. sind recht wertstabil, lassen sich gut fremdfinanzieren, machen aber teilweise Probleme und viel Arbeit. Während Aktien kaum Arbeit machen, über lange Zeiträume oft rentabler und schnell liquidierbar sind, aber auf der anderen Seite auch sehr anfällig für Wertschwankungen. Und welcher Vermögenswert über die nächsten zehn Jahre am besten abschneiden wird, das wissen wir sowieso immer erst hinterher. Ich hoffe ich konnte euch mit diesen – bestimmt nicht ganz konventionellen Gedanken – ein bisschen zum Nachdenken über euer Geld anregen. Auf meiner Homepage werde ich eine Excel Vorlage für eine Vermögensstruktur zum Download anbieten. Schaut einfach unter www.benediktbrandl.com.

Und ganz wichtig! Schaut euch das Basiswebinar an, da geht’s im ersten Teil noch ausführlicher um das heutige Thema. Und empfehlt es dringend an Leute, die sich noch nie mit dem Thema Geld näher beschäftigt haben. Die Leute müssen wir ganz vorne abholen und ihnen klar machen, dass Nullzinsen einfach keine Lösung sind.

Vielen Dank fürs zuhören, bis zum nächsten Mal!

Euer Benedikt

 

Links und Quellen in Zusammenhang mit diesem Beitrag:

Welt.de: Deutsche belegen beim Vermögen den letzten Platz
https://www.welt.de/wirtschaft/article115143342/Deutsche-belegen-beim-Vermoegen-den-letzten-Platz.html

Immobilienvermögen in der Euro-Zone
https://www.welt.de/wirtschaft/article115150499/Wer-Solidaritaet-einfordert-muss-zuerst-liefern.html

Der Spiegel: Das Unvermögen
https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-143231573.html

[1] Quelle: (2016), Das Unvermögen. Der Spiegel, Heft 08/2016.

[2] Quelle: (2013), Die Insel ist gerettet – das Ersparte weg. Sueddeutsche.de, Link: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanzkrise-in-zypern-die-insel-ist-gerettet-das-ersparte-weg-1.1626081, abgerufen am: 20.01.2021.

Veröffentlicht in Investment.

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